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Gaby Herchert

"Acker mir mein bestes Feld"

Untersuchungen zu erotischen Liederbuchliedern des späten Mittelalters. Mit Wörterbuch und Textsammlung


"Acker mir mein bestes Feld" – dieser Wunsch wurde im Mittelalter nur schwerlich als Aufforderung zu bäuerlicher Arbeit verstanden. Raffinierter Wortwitz, versteckte Zweideutigkeiten und geistvolle Pointen zeigen in den spätmittelalterlichen erotischen Liedern eine weniger geläufige Seite mittelhochdeutscher Lyrik. Nicht das aus dem Minnesang bekannte entsinnlichte Liebeswerben steht im Mittelpunkt, sondern der konkrete Liebesvollzug. Mit der vorliegenden Untersuchung wird der Zusammenhang zwischen Aufführungsformen und sexuellem Sprachgebrauch verdeutlicht. Ein Wörterbuch zur erotischen Metaphorik rundet dieses "Vademecum zu den erotischen Liederbuchliedern des späten Mittelalters" (Gerhard Köpf) ab.

Pressestimmen

Das sorgfältige Ausloten von Deutungs- und Bedeutungsunterschieden, welche durch Diktion und nonverbale Parameter erzeugt werden können (z. B. S. 64, 84), zeigt einleuchtend den Spielraum, der sich dem vortragenden Künstler anbot. […] Den Hauptteil der Arbeit bestreiten die soliden Textanalysen. Diesen ist kaum etwas hinzuzufügen; […] Insgesamt ist das erfreuliche Ergebnis festzuhalten, daß die Arbeit durch ihre umfassenden Textanalysen die selbstgesetzten Ziele erreicht: darzustellen, inwiefern in den Liedern "ein vielfältiger, nuancenreicher erotischer Wortschatz" vorliegt (S. 183) und zu belegen, daß die verschiedenen Realisationsmöglichkeiten in der Aufführung einen wesentlichen Teil der Untersuchung einer solchen Gattung ausmachen müssen (S. 193).
(Aus: Zeitschrift für Deutsche Philologie. 118. Band, 1999. 3. Heft.)

[Gaby Herchert] läßt ein Lied nach dem anderen Revue passieren und gibt jedesmal eine Inhaltszusammenfassung, überlegt dann ausführlich, wie das Stück hätte vorgetragen bzw. aufgeführt werden können […], und hebt schließlich die […] erotischen Metaphern hervor. Ihr Untersuchungsmaterial stellen die Sexuelles berührenden Texte aus 31 Liederbüchern des 14. und 15 Jahrhunderts dar, wobei die Mehrzahl aus dem niederdeutschen/niederländischen Raum stammt. Die Lieder werden in erzählende Lieder, Klagelieder, Lieder mit erotischem Thema, gesellige und chansonartige Lieder unterteilt. Auch […] fehlt am Schluß ein Verzeichnis der sprachlichn Bilder, […] von "Ackerbau" bis "Wille", nicht. Außerdem werden noch die näher analysierten Texte im Anhang S. 227 bis 308 abgedruckt, was eine Konsultierung der Ausgaben erübrigt. […] [Eine nützliche Arbeit], die Hilfe bei der sprachlichen Erschließung erotischer oder erotikverdächtiger Poesie des Hoch- und Spätmittelalters [bietet] und zugleich [eine Sammlung] einschlägiger Stellen, welche durchaus auch für die außerliterarische Geschichte der Sexualität von Interesse sind.
Peter Dinzelbacher in: Mediaevistik, Band 17/2004, S. 440f.


1996, IHS, Bd. 201, 328 Seiten, br., 25,50 EUR, ISBN 978-3-89325-423-1

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