Die sozialgeschichtliche Deutung späthallstattzeitlicher Grabfunde in Württemberg bildet seit langem einen festen Bestandteil der archäologischen Forschung. Das Hauptaugenmerk lag und liegt in der Herausarbeitung vertikaler Sozialstrukturen, wobei Reichtum geradezu paradigmatisch als Spiegel einer vertikalen Differenzierung gesehen wird. Die so gewonnene Vorstellung von der sozialen Konstitution der vergangenen Späthallstatt-Gesellschaft führte zur Formulierung von Gesellschaftsmodellen, die andere Dimensionen sozialer Strukturierung wie Alter und Geschlecht unberücksichtigt ließen. Anhand der späthallstattzeitlichen Grabfunde Württembergs werden in mehreren Schritten verschiedene sozialgeschichtlich relevante Dimensionen der untersuchten Gesellschaft herausgearbeitet. Es kann gezeigt werden, dass die bislang formulierten Modelle zur Späthallstatt-Gesellschaft zu revidieren sind. Geschlecht und vor allem das Alter sind zentrale Strukturierungsmomente der späthallstattzeitlichen Gesellschaft in Südwestdeutschland. Bei Personen mit "fürstlichem" Habitus handelt es sich – nach Geschlechtern verschieden – um Mitglieder spezifischer Altersgruppen. Hier offenbart sich eine in Altersgruppen organisierte Gesellschaft, die ihre Parallelen in einer Reihe ethnographisch dokumentierter Gesellschaften, aber etwa auch der homerischen Gesellschaft findet. PressestimmenDas Buch wird von einer knappen, aber informativen Zusammenfassung […], einem ausführlichen Literaturverzeichnis und einem Katalog […] abgerundet. […] Abschließend bleibt festzustellen, dass [der] Verfasser die bekannten Daten der sog. späthallstattzeitlichen Fürstengräber unter einem interessanten Aspekt neu analysiert hat und mit seiner Dissertation anregende neue Denkanstösse zur Interpretation der späthallstattzeitlichen Gesellschaft zur Diskussion gestellt hat. 2000, Tübinger Schriften zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie, Bd. 4, 304 Seiten, br., 45,50 EUR, ISBN 978-3-89325-387-6
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