Alle Menschen alles zu lehren, und zwar allumfassend – so hat J.A. Comenius die Aufgabe schulischer Bildung beschrieben. Das Menschenrecht auf Bildung für jeden soll uneingeschränkt gelten. Die Wirklichkeit ist jedoch anders: Wer soziale Vorteile hat, wird belohnt, wer sozial und kulturell beeinträchtigt ist, wird benachteiligt. Gerechte Bildungschancen für alle muss mehr denn je ein bildungspolitisches Ziel sein. Streit gibt es darüber, welche Maßnahmen mittel- und langfristig auf dieses Ziel hinführen. Die evangelischen Kirchen nehmen Verantwortung für Bildung wahr, unter anderem durch die Unterhaltung von Schulen, Kindertages- und Familienbildungsstätten wie auch durch Beteiligung an der Debatte über das Verständnis und die Aufgaben von Bildung und Erziehung in einem öffentlichen Bildungswesen. Die Frage nach gerechter Teilhabe an Bildung ist in evangelischem Verständnis ein zentrales Thema. Die Beiträge in diesem Band beschreiben die bestehende Situation ungerechter Bildungsbeteiligung im Primar- und Sekundarbereich aus unterschiedlichen Perspektiven. Sie zeigen auch konkrete Möglichkeiten sozial- und schulpädagogischer Veränderungen auf, die zu gerechteren Bildungschancen beitragen. Sie unterstützen nachdrücklich diejenigen, die den Skandal der Verstärkung ungleicher Bildungschancen durch das bestehende Bildungssystem nicht hinnehmen wollen. Mit Beiträgen von PressestimmenAlles in allem bietet der Sammelband gute und thematisch breit gefächerte Überblicksbeiträge, die die Problemlagen – auch mit Impulsen jenseits der disziplinären Ausrichtung der Erziehungswissenschaft – eindringlich beschreiben. Zu Recht konstatiert Dietlind Fischer in ihrer Einleitung: "Wenn Bildungsungleichheit abgebaut und allen gerechte Bildungschancen ermöglicht werden sollen, sind bildungspolitische, ökonomische, kulturelle und pädagogische Anstrengungen von erheblicher Reichweite erforderlich, mit Nachdruck auf allen Ebenen"(11). Das zu rezensierende Buch zeichnet sich durch sorgfältige Recherchen und belegte Annahmen aus. Der relativ offen gehaltene Titel ist angemessen gewählt, da die Problematik aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird. Die Schilderung der bestehenden Situation ungerechter Bildungsbeteiligung, verbunden mit der Darstellung sozial- und schulpädagogischer Veränderungsmöglichkeiten und angereichert mit ermutigenden Beispielen aus dem In- und Ausland, lässt die Vielfalt der Zugänge zur Thematik erkennen. 2006, 182 Seiten, br., 24,90 EUR, ISBN 978-3-8309-1747-2
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