"Breitenburg ist ein großes gut, und ervodert also auch ohne zweifell große aufsicht, du wirst nun denk ich ein rechter Haußhelter, und ehrbahrer Landtjuncker werden", schreibt Anna von Düring 1763 ihrem jüngeren Bruder Friedrich Rantzau. Dessen Ehefrau, die Reichsgräfin Amoene Castell-Remlingen, ist Erbherrin der Herrschaft Breitenburg im heutigen Kreis Steinburg, und Friedrich Rantzau entscheidet sich für das Leben als Gutsherr und nicht für die Offizierskarriere. Aber das Erbe ist schwierig. Die Breitenburg, einst von dem legendären Ahnherrn Heinrich Rantzau ausgebaut, hat längst ihre frühere repräsentative Pracht verloren; die alten Herrschaftsrechte sind in einer Zeit politischer und sozialer Umbrüche infrage gestellt oder gelten nicht mehr. Friedrich Rantzau hat über viele Jahre in seinem Tagebuch über die Konsolidierung des Gutes, den Wiederaufbau der alten Herrschaft und das Anwesen der Familie berichtet. Diese Aufzeichnungen werden in dieser Arbeit als Medium adeliger Selbstrepräsentation gelesen. Dabei stilisiert sich Friedrich Rantzau in der Tradition des "aufklärerischen Hausvaters", der der Familie und der Gutsherrschaft gleichermaßen in patriarchalischer Manier vorstehen will. PressestimmenMit diesem Beitrag zur holsteinischen Adelsgeschichte rekonstruiert Iris Carstensen einen Mikrokosmos von ungeahnter Dichte und erweitert die bereits gesetzen Akzente der mikrogeschichtlich orientierten Adelsforschung. […] Die Stärken der Studie sind der Untersuchungsgegenstand, die methodische Ausrichtung und die gründlichen Analysen. Sie greift eine Vielzahl von Einzelaspekten auf und rekonstruiert ein dichtes Bild menschlicher Idealvorstellungen und ihrer Realisierung im tatsächlichen Leben. […] Iris Carstensen greift somit bisher kaum erforschte Themen auf, mit denen sich eine weitere Beschäftigung lohnt. Zu den Lebens- und Handlungsschwerpunkten eines Adligen in der Zeit um 1800 liegt nun eine empfehlenswerte Lektüre vor. 2006, Kieler Studien zur Volkskunde und Kulturgeschichte, Bd. 6, 376 Seiten, br., 29,90 EUR, ISBN 978-3-8309-1741-0
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