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Adriaan de Jong

Die Dirigenten der Erinnerung

Musealisierung und Nationalisierung der Volkskultur in den Niederlanden 1815–1940


aus dem Niederländischen von Oliver Bürenkemper und Sigrid Winkler-Borck

Mühlen, Holzschuhe und Tulpen verkörpern für viele auch heute noch die "echte" niederländische Kultur. – Aber die Wirklichkeit ist anders. In "Die Dirigenten der Erinnerung" beschreibt Adriaan de Jong, wie bestimmte Kulturäußerungen aus ländlichen Regionen wie zum Beispiel die Trachten mit Beginn des 19. Jahrhunderts zu nationalen Symbolen geworden sind, die beim niederländischen Volk das Gefühl der Einheit und der nationalen Identität wecken sollten. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts aber verlor die Volkskultur des ländlichen Raums gegenüber der modernen urbanen niederländischen Kultur zusehends an Boden. Es wuchs das Bewusstsein, dass die Volkskultur nicht nur eine pittoreske Sehenswürdigkeit ist, sondern auch des Schutzes bedarf. Durch skandinavische Vorbilder entstand die Idee von einem niederländischen Freilichtmuseum.

Der Autor geht in dieser Studie aus der Sicht eines Historikers der Frage nach, inwieweit Musealisierung der Volkskultur in den Niederlanden zu einer nationalen Identität führte oder zumindest dazu beitrug. Im Hintergrund steht die Geschichte des Niederländischen Freilichtmuseums, im Vordergrund das Agieren führender Persönlichkeiten, wie etwa der beiden Kontrahenten A.A.G. van Erven Dorens, der erste Direktor des Freilichtmuseums, und D.J. van der Ven, dessen Kontakte zu den deutschen Besatzern während des Zweiten Weltkriegs die Pflege der Volkskultur in schlechtem Licht erscheinen ließ.

Ein Epilog, in dem sich der Autor zur heutigen Rolle volkskundlicher Museen im Hinblick auf die multikulturelle Gesellschaft äußert, und eine umfangreiche chronologische Übersicht beschließen diesen Band.

Autoreninfo

Adriaan Antonie Marinus de Jong (geb. 1947 in Den Haag), Dr. phil., Historiker, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Museumsleitung des Niederländischen Freilichtmuseums in Arnheim, ist mit Aufsätzen z.B. über das Hindelooper Zimmer und über die Geschichte und Museologie der Freilichtmuseen bekannt geworden. Seit 2005 ist Adriaan de Jong Mitglied des Verwaltungsrates des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg.


2007, Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland, Bd. 110, 702 Seiten, zahlr. teils farbige Abb., geb., 48,00 EUR, ISBN 978-3-8309-1667-3

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