Kriegslehren spielen in Texten des Mittelalters eine zentrale Rolle. Sie dienen der Legitimierung des Krieges und Regulierung von Kriegshandlungen ebenso wie der Begrenzung des Streitaustrags durch Waffengewalt. Diese Arbeit untersucht, wie deutsche Texte des 14. und 15. Jahrhunderts mit Kriegstheorien umgehen. Im Vordergrund stehen neben den Lehren des Vegetius die auf Augustinus zurückgehende Vorstellung von der recta intentio und die "Lehre vom gerechten Krieg". Während die "Ler von dem streitten" des Wiener Kanonikers Johann Seffner einen Überblick über den bestehenden Fundus an Kriegstheorie bietet, konzentriert sich der "Ritterspiegel" des Eisenacher Stadtschreibers Johannes Rothe auf die moralische Seite der Kriegführung. In Heinrich Wittenwilers "Ring" schließlich, einem der bedeutendsten Texte des späten Mittelalters, werden Lehre und eine schwankhafte Handlung auf eigentümliche Weise miteinander verwoben. Für den "Ring" stellt sich die Frage, ob die angeführten Kriegslehren parodiert werden. Zeigt der Text vor allem die schrecklichen Folgen von Krieg und Gewalt auf, oder muss man die Kriegslehren auch im "Ring" als echte, ernst gemeinte Verhaltensanweisungen verstehen?
AutoreninfoPamela Kalning studierte Germanistik, Philosophie und Rechtswissenschaften in Tübingen und Kiel. In den Jahren 2003 bis 2005 war sie am Sonderforschungsbereich 496, "Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme" in Münster tätig. Ihr Forschungsschwerpunkt lag auf der Verwendung von Exempeln in mittelalterlichen Schachzabelbüchern. Seit Januar 2006 arbeitet sie in Tübingen an der Edition von Johannes Rothes "Ritterspiegel" mit. PressestimmenPamela Kalnings Textauswahl ist […] gut geeignet, sowohl den kriegstheoretischen Wissenskanon um 1400 vorzustellen wie auch den souveränen Umgang der Verfasser mit den Kriegslehren nachzuweisen. […] Die vielen im Anhang dokumentierten Belegstellen zeugen davon und eignen sich darüber hinaus gut als Grundlage zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema. Hier hat Kalning also weitgehend Neuland betreten und Beachtenswertes geleistet. Dazu zählt auch die im Anhang (S.222–228) gegebene Neuedition des Textes, die einen zweiten, bislang vollständig unbekannten Textzeugen (Wien, ÖNB, s.n. 4212) vorstellen kann. Auch sonst bietet der umfangreiche Anhang von Kalnings Studie (S.229–263) eine Fülle von Material, die allen Nachfolgenden, die sich mit den untersuchten Werken beschäftigen, ein dankbares Hilfsmittel sein werden, […] Pamela Kalning hat mit ihrer Studie eine profunde Untersuchung dreier wichtiger Texte spätmittelalterlichen Schreibens über Krieg vorgelegt. Die behandelten Werke sind gründlich analysiert und quellenkundlich erfasst worden. 2006, Studien und Texte zum Mittelalter und zur frühen Neuzeit, Bd. 9, 268 Seiten, br., 34,90 EUR, ISBN 978-3-8309-1665-9
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