Dieses Buch handelt von gebrauchten Mobilien, die in der Preußischen Rheinprovinz im 19. Jahrhundert von den Notaren nach französischer Gesetzgebung versteigert wurden. Es ist aber vor allem ein Buch über Menschen, die kaufen und verkaufen, dabei den Dingen und ihrer Umgebung einen Wert beimessen und sich letztlich gegenseitig bewerten. Und es ist ein Buch, in dem die beiden Gesichter einer Versteigerung zum Ausdruck kommen: die durch viele Übereinkünfte unter den Teilnehmenden wie auch mit rechtlichen Verordnungen gestaltete Prozedur auf der einen und der gesellige Anlass auf der anderen Seite, bei dem es um mehr geht, als um wirtschaftliche Interessen. Versteigerungen sind Teil unseres Alltagslebens. Seit vielen Jahrhunderten ist die Versteigerung das Instrument zur Feststellung eines aktuellen Marktwertes von Eigentum und zur gerechten oder doch als gerecht empfundenen Distribution von Sachgütern. Daneben hat die Versteigerung als öffentliche Veranstaltung einen hohen Unterhaltungswert und dient als Bühne kollektiver wie individueller Selbstdarstellung. Die enorme Bedeutung der Versteigerung als komplexes und multifunktionales System in sozial-, wirtschafts-, stadt- und mentalitätsgeschichtlicher Hinsicht herauszustellen und die Versteigerungsforschung als neuen Zweig volkskundlicher Realienforschung in die Fachdiskussion einzubringen, ist ein wesentliches Anliegen dieses Buches. PressestimmenDas wichtige Verdienst der vorliegenden Arbeit, um dieses Ergebnis gleich vorwegzunehmen, ist es, auf die bedeutende Stellung der Dinge aus zweiter Hand hinzuweisen und den enormen Stellenwert des Handelns mit gebrauchten Gütern für die Lebenswelt im 19. Jahrhundert aufzuzeigen. […] Resümierend kann festgehalten werden, dass mit den Versteigerungen und dem Gebrauchtmarkt als Überthema ein spannendes Kapitel vergangenen Alltagslebens aufgedeckt wird, das bis dato zu wenig Beachtung gefunden hat. Die Autoren, die bei ihrer Quellenforschung um Vollständigkeit bemüht sind, ohne weitschweifend zu werden, gehen über die reine Darstellung des Materials hinaus und wagen auch manch interessante These. Die Stärke der vorliegenden Untersuchung liegt sicherlich darin, dass sie durch ihren volkskundlichen Blick das Phänomen nicht nur historisch erfasst, sondern auch auf gesellschaftliche und sozialwirtschaftliche Bedeutungen Bezug nimmt und kulturelle Hintergründe fokussiert. 2003, Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland, Bd. 103, 412 Seiten, geb., 35,00 EUR, ISBN 978-3-8309-1280-4
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