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Stefanie Stadler Elmer

Kinder singen Lieder: Über den Prozess der Kultivierung des vokalen Ausdrucks


Das Singen ist eine universelle menschliche Handlung. Aus den Vokalisationen des Säuglings entsteht Singen und Sprechen. Kindliches Singen ist Spiel, Spaß und Nachahmung. Es dient dazu, Befindlichkeiten und Affekten Ausdruck zu geben und mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Zugleich ist es ein symbolisches Ausdrucksmittel. Bereits im zweiten Lebensjahr können Vokalisationen deutlich sprach-musikalische Merkmale aufweisen. Dies zeugt von einer erstaunlichen Anpassung des Kindes an die in der Umgebung praktizierten sozialen und kulturellen Normen.

Wie lässt sich die Entwicklung des Singens beschreiben und verstehen? Auf der Grundlage langjähriger Forschung geht Stefanie Stadler Elmer dieser Frage mit neuen theoretischen, methodischen und empirischen Ansätzen nach. Zentrales theoretisches Ergebnis ist eine hypothetische Entwicklungssequenz, die den Entwicklungsverlauf des Singens in sechs Stufen beschreibt. Das Singen wird u.a. aus soziohistorischer, musiksoziologischer und -psychologischer Sicht interdisziplinär analysiert und in einen entwicklungspsychologischen Kontext gestellt. Auf methodischer Ebene entwickelt Stefanie Stadler Elmer ein neues, computerunterstütztes Verfahren. Mit dieser mikroanalytischen Methode lassen sich bisher unbekannte und erstaunliche Phänomene beschreiben.

Die Ergebnisse bieten Anlass, bisherige Theorien oder Vorstellungen von der Entwicklung des Singens zu überdenken. Die hier vorgeschlagenen neuen Perspektiven sind anregend für Psychologen und Pädagogen sowie für all jene, die besser beobachten und verstehen möchten, wie der Mensch seinen stimmlichen Ausdruck in sprach-musikalischer Hinsicht allmählich seiner kulturellen Umgebung anpasst – kurzum, wie das Lieder Singen entsteht.

Autoreninfo

Dr. Stefanie Stadler Elmer ist Privatdozentin für Psychologie an der Universität Zürich. Zuletzt ist von ihr erschienen: Spiel und Nachahmung – über die Entwicklung der elementaren musikalischen Aktivitäten (2000).

Pressestimmen

Dies ist insgesamt gesehen ein beeindruckender theoretischer Wurf, der insofern begrüßenswert ist, als das Liedersingen im Allgemeinen nur in Form einer mehr oder minder unreflektierten Praxis begegnet.
Dass noch zahlreiche Fragen offen bleiben, ist der Autorin bewusst. So der Zusammenhang des Liedersingens mit der Kreativität […] und die Rolle der Emotionen, […] Bei der durchgängig theoretisch höchst anspruchsvollen Argumentationsweise der Studie tun derlei Randnotizen gut.

Günter Kleinen in: Musikpsychologie. Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie. Band 17: Musikalische Begabung und Expertise. 2004. S. 188ff.


2002, IHS, Bd. 390, 400 Seiten, br., 34,90 EUR, ISBN 978-3-8309-1146-3

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