Schul- oder Bildungspflicht für alle ist in modernen Staaten üblich, die Gleichbehandlung aller Schüler und Schülerinnen ist eine demokratische Selbstverständlichkeit. Selektion gilt als Merkmal der Leistungsgesellschaft, Gleichbehandlung von Nichtgleichen erleichtert Selektion. PressestimmenGeorg Hansen und Norbert Wenning geben mit ihrer umfassenden Studie zur Behandlung von Minderheiten im deutschen Schulwesen der letzten drei Jahrhunderte aktuellen bildungspolitischen Entscheidungen eine historische Grundlage. Vergleichend, systematisch und historisch – unter diesen Perspektiven skizzieren Georg Hansen und Norbert Wenning die Schul- und Bildungspolitik für andere Ethnien in Deutschland. Sie kommen zu der zusammenfassenden Einschätzung, dass die alleinige Betrachtung der jeweiligen Schul- und Bildungspolitik für die Beantwortung der Frage, wann welche Ethnie in Deutschland warum wie viel Autonomie erhielt bzw. erhält bzw. welche bildungspolitische Aufmerksamkeit ihr zuteil wird, nicht ausreicht. […] Eine transparente Gliederung, Zwischenbilanzen nach Sinneinheiten innerhalb und Zusammenfassungen am Ende der Kapitel sowie eine stetige Wiederaufnahme der Grundargumentation machen es dem Studienanfänger leicht, den Autoren zu folgen. Für interessierte Fortgeschrittene bzw. Experten erscheinen insbesondere die Lektüre der historisch kenntnisreichen Ausführungen zu den einzelnen Minderheitengruppen sowie die soziologische Herleitung des Systematisierungsansatzes lohnend. Ein zehnseitiges Glossar von "Allochton" bis "Volkszugehörigkeit (deutsche)" ist nicht nur für Neueinsteiger in das Thema eine brauchbare Lesehilfe. 2003, Lernen für Europa, Bd. 9, 234 Seiten, br., 19,50 EUR, ISBN 978-3-8309-1122-7
|