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Leseprobe
Wieder beschlich Silke ein ungutes Gefühl. Fang bloß nicht an zu spinnen, ermahnte sie sich und bekam die Panik, die aus ihrem Bauch aufstieg, erst einmal wieder in den Griff. Sie beschloss, ein Stück zurückzugehen. Bestimmt hatte Tim sie nur in der Aufregung, einer Spur zu folgen, verloren. Wahrscheinlich lag er mitten auf dem Weg, völlig erschöpft und nur seine buschige Rute wedelte zu ihrer Begrüßung wie wild. Ach Tim, dachte sie, wenn ich dich nicht hätte.
Mehrmals rief sie seinen Namen, aber außer dem Rauschen des Windes in den Büschen und Birken am Kanalufer war es still.
Dann sah sie in der Kurve der Landstraße am Kanal den grünen Geländewagen auffallend langsam daherfahren. Offensichtlich hatte er die Richtung geändert, nun rumpelte er auf die Kanalbrücke Richtung Ottmarsbocholt und blieb dann in der Mitte stehen. Der Lodentyp, so viel erkannte sie aus der Ferne, musterte sie durch ein Fernglas. Perversling, dachte sie wütend.
Sie schüttelte sich und als sie in diesem Augenblick von hinten angesprochen wurde, tat sie instinktiv einen Sprung zur Seite.
"Widerlicher Typ", sagte eine tiefe Männerstimme. "So schreckhaft? Vor mir brauchen Sie keine Angst zu haben."
Sie drehte sich um und schauderte dennoch. Der junge Mann war genau das Gegenteil von Herrn "von Loden". Damit gehörte er aber nicht automatisch zu der Kategorie Männer, die Silke sonst in die Rubrik sympathisch einsortierte. Sie sah sich besorgt um.
Der Dicke war verschwunden, die Brücke leer. Nicht einmal Tim war da, dafür kam der Typ jetzt einen Schritt näher. Zuerst hatte sie ihn für einen Soldaten gehalten mit seinem olivgrünen Hemd, den schwarzen Stiefeln und dem Fernglas. Die konnte sie nun wirklich nicht ab. Dämliches Männergetue. Oder ein Rechter. Das fehlte noch, so'n rechter Spinner.
Sie verschränkte die Arme vor der Brust.
"Gegen was kämpfen Sie denn hier?" fragte sie spöttisch.
"Ach, Sie meinen meine schöne Uniform?", erwiderte er …
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