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Mehrsprachigkeit
herausgegeben von Wilhelm Grießhaber und Jochen Rehbein
Aufgrund der wachsenden interkulturellen und internationalen Kommunikation von Individuen, Gruppen, Institutionen, Gesellschaften und Medien wird die Unterschiedlichkeit und die Gemeinsamkeit der Sprachen immer stärker bewußt; die Verständigung zwischen Sprecher und Hörer ist in mehrsprachiger Kommunikation erschwert. Diesen Fragen ist die Reihe Mehrsprachigkeit gewidmet. Sie behandelt spracherwerbsbezogene, sprachpsychologische, sprachsoziologische, sprachtypologische, sprachpolitische und sprachvermittelnde Themen, soll aber auch zur linguistischen Grundlagenforschung beitragen. Denn sprachtheoretische Arbeiten gehen zumeist von der Sprachfähigkeit einsprachiger Muttersprachler aus und übersehen im allgemeinen, daß Mehrsprachigkeit nicht nur außerhalb Europas ein ungemein weit verbreitetes Phänomen ist.
Die Reihe Mehrsprachigkeit will aber auch zu einer Bewältigung aktueller praktischer Problemsetzungen in den unterschiedlichen geographischen Regionen und Sprachenkonstellationen beitragen.
Neben Fragen der sprachlichen Integration Europas (einschließlich Osteuropas) ist Mehrsprachigkeit und Sprachkontakt im nahen, im mittleren und im fernen Osten, in Lateinamerika, in Australien und nicht zuletzt in Afrika - alles linguistisch und sprachsoziologisch-kulturell sehr unterschiedlich strukturierte Gebiete - Gegenstand der Reihe Mehrsprachigkeit.
Zentrale Themen der Reihe Mehrsprachigkeit sind unter anderen:
- die Entwicklung individueller Mehrsprachigkeit, z. B. in Kindheit und Jugend, simultaner vs. sukzessiver Bilingualismus in verschiedenen sprachlichen Kombinationen, sprachliche, intellektuelle und psychische Faktoren von Mehrsprachigkeit
- Sprachpsychologische Studien sprachlich-mentaler Tätigkeiten in mehrsprachiger Kommunikation
- Gesellschaftliche Mehrsprachigkeit, z. B. interkulturelle Kommunikation in verschiedenen Institutionen, mit und ohne Dolmetscher, die Kommunikation mehrsprachiger Personen, die in einer gemeinsamen Sprache, die nicht ihre Muttersprache ist, in Kontakt treten, die Kommunikation zwischen Personen, die mehrsprachig sind und mal in der einen, mal in der anderen Sprache miteinander reden bzw. Code-Switching verwenden
- Sprachsystematische Aspekte der Mehrsprachigkeit, z. B. Kontrastivität, Typologie der Sprachen, grammatische Interferenzen
- Anwendungsaspekte, z. B. Sprachstandsmessungen, Sprachstandardisierung, Lehrmaterialienentwicklung, Corpora und Kurzgrammatiken wenig gelehrter Sprachen, Sprachpolitik, soziolinguistische und sprachsoziologische Untersuchungen von Minderheitensprachen
- Diskursanalyse mehrsprachig-interkultultureller Kommunikation, von Semikommunikation, gedolmetschter Kommunikation usw. sowie einsprachig-interkultureller Kommunikation mittels einer gemeinsamen Verkehrssprache.
Viele Studien zur Mehrsprachigkeit leiden unter dem Mangel an konkretem sprachlichem Material. Die Reihe Mehrsprachigkeit unterstützt die Empirizität von Untersuchungen und deren Absicherung z. B. durch mehrsprachige Transkriptionen und mehrsprachige Corpora, die in Sprachdatenbanken aufbereitet und durch eine Reihe intelligenter Routinen zugänglich werden. Auch sollen Arbeits-, Unterrichts- und Studienmaterialien, mehrsprachige Transkriptionen und Texte Forschenden, Lehrenden, Studierenden und anderen auf dem Gebiet der Mehrsprachigkeit Tätigen und Interessierten zugänglich werden.



















