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Inhalt
In so genannten Aufklärungs- oder Einwilligungsgesprächen werden Patienten über den Verlauf und die Risiken medizinischer Methoden informiert. Diese Gespräche sind schon für deutschsprachige Patienten nicht immer leicht zu verstehen. Zusätzliche Schwierigkeiten treten auf, wenn Patienten nur über eingeschränkte Deutschkenntnisse verfügen. In solchen Situationen werden in deutschen Krankenhäusern häufig zweisprachige Angehörige oder Krankenhausangestellte ad hoc als Dolmetscher eingesetzt. Diese Untersuchung behandelt die Frage, inwieweit der Einsatz dieser ungeschulten Dolmetscher die Arzt-Patienten-Kommunikation beeinflusst.
Dieser Frage wird anhand bestimmter sprachlicher Ausdrücke nachgegangen, die für die Wissensvermittlung im Aufklärungsgespräch eine besondere Rolle spielen. Ausgehend von einer Analyse der Diskursart 'Diagnostisches Aufklärungsgespräch' wird untersucht, wie ad-hoc-Dolmetscher diese Ausdrücke in authentischen Gesprächen vom Deutschen ins Portugiesische übertragen.
Das qualitativ angelegte, diskursanalytische Vorgehen eröffnet Einblicke in die interaktionale Dynamik gedolmetschter Gespräche und zeigt, dass die dolmetschenden Personen mangelndes terminologisches Wissen auf unterschiedliche Weise zu kompensieren versuchen: etwa durch Erläuterungen oder durch den Bezug auf partikulare Erfahrungen der Patienten. Diese Verfahren greifen jedoch in die Systematik des ärztlichen Diskurses ein und führen insgesamt dazu, dass Ärzte ihre Aufklärungspflicht gegenüber Patienten mit geringen Deutschkenntnissen vernachlässigen.
English summary
Autoreninfo
Bernd Meyer arbeitet als Forschungsassistent im Projekt 'Dolmetschen im Krankenhaus' im Rahmen des Hamburger Sonderforschungsbereiches 'Mehrsprachigkeit'. Er promovierte an der Universität Hamburg im Fach Allgemeine Sprachwissenschaft und hat zahlreiche Arbeiten veröffentlicht, unter anderem eine Konzeption einer Dolmetschfortbildung für zweisprachige Pflegekräftesowie Beiträge zur gedolmetschten Arzt-Patienten-Kommunikation und zur Transkription mehrsprachiger Diskurse.
Pressestimmen
Eines von Bernd Meyers Verdiensten ist es, die Konsequenzen selbstverständlich erscheinender und scheinbar oberflächlicher Probleme mit beeindruckender Gründlichkeit aufzuzeigen. [...]Abschließend bleibt zu sagen, dass das vorliegende Buch [...] sprachlich gut lesbar ist und durch gut platzierte Zwischenfazits und einen konzisen Überblick über die Ergebnisse im siebten Kapitel, die Orientierung über das Gelesene sehr erleichtert. Zudem gibt es einen erfreulichen Ausblick: Bernd Meyer regt an, seine Befunde in die Aus- und Weiterbildung von Pflegekräften einzubeziehen. Wie Meyer (2003) zu entnehmen ist, wurden dazu inzwischen schon erfolgversprechende Schritte unternommen.
Patrick Grommes in: Gesprächsforschung - Online-Zeitschrift zur verbalen Interaktion, Ausgabe 5/2004, S. 29. URL: http://www.gespraechsforschung-ozs.de
Der Verf. bedient sich dabei mit viel Geschick einer Methodik, die im Rahmen der funktional-pragmatischen Diskursanalyse entwickelt wurde.
Hermann Hoppenkamps in: Germanistik, Bd. 46 (2005), Heft 1/2, S. 45f.
[Die] Fragestellungen und das darin adressierte grundlegende Verhältnis von Sprache, Diskurs und Wirklichkeit sprachwissenschaftlich und methodisch fundiert zu informieren, ist das weiter reichende Verdienst des Buches, weshalb es auch für Nicht-Linguisten eine empfehlenswerte Lektüre darstellt.
Werner Schneider in: Forum Qualitative Sozialforschung. Vol. 6, No. 1, Art. 3 - Januar 2005
